Editorial: Es ist ein Kreuz …

Wenn man sich anschaut, wie Markus Söder in den letzten Wochen agiert, insbesondere bei der Kreuz-Debatte, kann man sie direkt hören, seine PR-Berater: „Du brauchst ein klares Profil, wenn Du die AfD , die FDP und die Freien Wähler klein oder sogar draussen halten willst! Hau in die Suppe und mach Dich richtig unbeliebt bei Deinen Feinden! Schaffe eine Burg für deine Freunde!“

Aus stragetischer Sicht haben die PR-Kollegen völlig Recht: nur wenn möglichst wenige Parteien ins Parlament kommen, hat die CSU eine Chance auf die absolute Mehrheit. Und das „System CSU“ kann nur mit absoluter Mehrheit funktionieren, wenigstens das hat die Phase der schwarz-gelben Koalition gezeigt: jedem ein bisschen Recht zu geben, jedem, der laut schreit, mit Geld zuzusch … werfen … dem einen dies, dem anderen jenes versprechen, beides davon ein bisschen einhalten oder auch gar nicht (dann sind aber andere Schuld, der Bund oder die CDU [!]) … das geht nicht, wenn ein liberales (vermutlich auch: grünes) Korrektiv zumindest den gröbsten Unsinn verhindert.

Aber, zur Sache: was ist nun so schlimm am „Kreuzzwang“? Dass es damit sehr, sehr viel schwieriger wird, mit korantreuen Neubürgern über eine Trennung zwischen weltlicher und transzendenter Macht zu sprechen: geschenkt – es bleibt ein cleverer Schachzug. Es passt einfach vordergründig sehr gut zum „konservativen Aufbruch“, zur Frau am Herd, in der Küche, in der Kirche mit Kindern – womöglich auch noch mit Kopftuch. Aber da ist mehr: es ist eine Ansage an AfD-Interessenten, ein alternatives Angebot, Struktur in deren Alltag zu bringen, ein Wir-Gefühl zu erzeugen, für das man noch nicht mal katholisch, ja noch nicht mal gläubig sein muss – das Kreuz mutiert zu einem beliebigen, politisch motivierten Allerweltssysmbol.

Und genau diese Beliebigkeit greifen ja diejenigen an, die es wissen müssen: führende Kleriker, zuletzt Kardinal Marx, lassen sich und ihr Symbol nicht so einfach zu Wahlkampfzwecken missbrauchen. Und der Rest Deutschlands auch: 66 % sind dagegen! Da kann „El Marco“ ja nur falsch liegen – oder? Nein. Er macht alles richtig. Er konzentriert sich auf diejenigen, die ihn vielleicht wählen – nicht auf die, die ihn eh‘ wählen und nicht auf die, die ihn eh‘ nicht wählen.

Und genau das müssen wir uns als Vorbild nehmen: wir werden die Menschen ansprechen, die im Herzen liberal sind, ohne es zu wissen. Menschen, die eine vernünftige Alternative suchen, zu linker Ideologie und rechtem Wahnsinn. Die sich unaufgeregte, menschliche und sachorientierte Politiker wünschen und wählen wollen, die ihnen weder kostenlose Wohltaten noch einfache Lösungen für komplexe Probleme versprechen, sondern sich mit Transparenz, Ehrlichkeit und Tatkraft einbringen.

Konzentrieren wir uns auf die Menschen, die uns vielleicht wählen. Und geben ihnen unser Herzblut.

Peter Corticelli ist Schriftführer des FDP Oberbayern


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