Julis Oberbayern: Unsere Infrastruktur hat mehr Potential als Andreas Scheuer

Oberbayern ist so vielfältig wie wenige Regionen in Deutschland: Von der Zugspitze bis zur Donau, vom Berchtesgadener Land bis in die Münchner Innenstadt. Einerseits sehr ländlich geprägt mit unberührten Landstrichen, an anderer Stelle drängen sich Hightechkonzerne mit weltweit führender Spitzentechnologie in den Ballungszentren. Gerade wegen der hohen Diversität gibt es in Sachen Verkehr große Herausforderungen. Millionen von Pendler quälen sich Morgen für Morgen durch die Staus in die Arbeit in den Städten und stehen abends wieder Rücklicht an Rücklicht auf dem Weg nach Hause. Das ist verlorene Zeit, die produktiver und entspannter genutzt werden kann. Zeit, die man daheim mit der Familie und Freunden oder beim Sport viel wertvoller verbringen kann. Wir müssen deshalb unseren Verkehr in Oberbayern neu strukturieren, die Hebel für eine Mobilitätswende in Bewegung setzen.

Warum als nicht mal neu denken und mit diesen vier Ideen Oberbayern voranbringen:

Mobil auch in der Pampa

Zwei Stunden mit dem Bus, drei Mal umsteigen. 20 Minuten mit dem Auto, Tür zu Tür. Für die gleiche Strecke. Auf dem Land leider immer noch traurige Realität. Wir brauchen deshalb eine massive Aufstockung der öffentlichen Verkehrsmittel, um in vielen Orten überhaupt erst eine Alternative zum Auto zu schaffen. In ländlicheren und entlegenen Gebieten müssen mehr Ringlinien und Direktverbindungen geschaffen werden. Auch funktionale Knotenpunkte zum Umsteigen können ein erster, sinnvoller Ansatz sein.

Starke Verknüpfung von Auto und ÖPNV

Um die verstopften Straßen in den Zentren zu entlasten, muss die Verknüpfung von Individualverkehr und ÖPNV attraktiver gestaltet werden. Dies ist vor allem durch ein erhöhtes Park & Ride-Angebot an den Außenästen der S- und U-Bahnen sowie an Regionalbahnhöfen möglich. Die P&R-Parkplätze vor den Toren der Stadt sollen für Nutzer des ÖPNV kostenfrei zur Verfügung stehen. Ein gültiges Ticket kann ganz unkompliziert als Nachweis beim Ausfahren aus dem Parkplatz ausreichen.

Easy Ticket, easy Ride

Wir brauchen ein faires, einheitliches und vor allem auch unkompliziertes Tarifsystem. Dazu muss bei der Tarifstruktur ordentlich nachgebessert werden, denn aktuell blickt kaum jemand durch den Tarifdschungel. Die Reform im Dezember 2019 wird einfach nicht reichen. Aus 16 Ringen und vier Zonen werden eine M-Zone und sechs Zonen drum herum. Wer soll da denn durchblicken? Es braucht ein gut verständliches Ticketsystem und neben einer City-Zone für München maximal zwei Außenraumzonen, sodass mit einem Blick klar wird, welches das richtige und günstigste Ticket ist.

Auch die Oyster-Card der London Underground oder die Kopenhagener Rejsekort sollten wir uns zum Vorbild nehmen. Eine Chip-Karte wird beim Betreten und Verlassen des Verkehrsmittels an einen Scanner gehalten und am Ende des Tages kann automatisch der günstigste Tarif abgebucht werden. Wer keine spezielle Karte hat, kann (unter strengem Datenschutz) dank NFC-Chip auch seine Kreditkarte nutzen.

Aber auch das Einzugsgebiet des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds MVV muss vergrößert werden. Dies ermöglicht dann einheitliche Tickets sowie gemeinsame, abgestimmte Fahrpläne in fast ganz Oberbayern.

Starkes Angebot schafft Nachfrage

Nur mit einem attraktiven ÖPNV-Angebot entscheiden sich Pendler für die Monatskarte. Ein wesentlicher Punkt dabei sind die bessere Verknüpfung der Verkehrsträger und mehr Schnittstellen zwischen S- und U-Bahn. Dazu gehört vor allem auch bestehende Linien aufs Land zu verlängern, wie etwa die U6 von Garching nach Neufahrn zur S-Bahn. Aber auch komplett neue Verbindungen wie einen dringend notwendige S-Bahn-Ring für München zu schaffen, der insbesondere auch die Reisezeiten für Pendler aus dem Umland verkürzen wird.

Dennoch dürfen wir uns nicht nur auf die Schiene konzentrieren. Da lohnt wieder einmal der Blick nach Dänemark ins Kopenhagener Umland. Denn auch Expressbusse über die Autobahnen und Bundesstraßen, die in sicheren Haltebuchten direkt am Fahrbahnrand zum Ein- und Aussteigen stoppen, können eine wahrliche Bereicherung sein. Und wer weiß, vielleicht bringt ein autonom fahrender Kleinbus die Fahrgäste von dort dann direkt nach Hause.


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